An welchen Themen wir forschen...

Die Qualität von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Produkten ist der Kern unserer Forschung.

Qualität spielt eine entscheidende Rolle in der Funktionsfähigkeit und Leistung der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie. Unsere Forschung betrachtet Qualität aus einer Vielzahl ökonomischer Perspektiven:

(I) Was bedeutet Qualität im Kontext von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Produkten und wie können wir Qualitätspräferenzen messen?
(II) Wie beeinflusst Qualität die Steuerung der Wertschöpfungskette? und
(III) In welcher Beziehung stehen Qualität und Nachhaltigkeit?

Qualität verstehen und Qualitätspräferenzen messen

Die Qualität von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Produkten ist ein intuitives, wenn auch komplexes Konzept, dessen Definition sich zwischen Ländern, Kulturen und Generationen unterscheiden kann. Letztendlich legt der Kunde fest, was Qualität ist. Daher müssen wir, wenn wir Qualität verstehen wollen, die individuellen Konsumentenpräferenzen verstehen. Unsere Forschung zielt darauf ab, die Erhebung von Informationen über Konsumentenpräferenzen so zu verbessern, dass unsere Messungen (basierend auf z.B. Choice Experimenten und natürlichen Experimenten) wahre Präferenzen bestmöglich widerspiegeln.

Qualität und Steuerung in der Wertschöpfungskette

Die Bereitstellung hoher Qualitäten in Agrar- und Lebensmittelmärkten ist aufgrund von (I) Informationsasymmetrien und (II) falsch gesetzten Anreizen erschwert.

Informationsasymmetrien beziehen sich auf Schwierigkeiten, denen Käufer bei der Unterscheidung von Produkten guter und schlechter Qualität zum Kaufzeitpunkt gegenüberstehen.

Falsch gesetzte Anreize treten auf, wenn die Ziele unterschiedlicher Akteure entlang der Wertschöpfungskette in Konflikt zueinanderstehen.

Wir untersuchen, wie angemessene Formen der Steuerung der Wertschöpfungskette solche Erschwernisse abschwächen und wie im Gegenzug besagte Erschwernisse die Steuerung der Wertschöpfungskette verändern und die ökonomische Effizienz, die Leistung der Wertschöpfungskette und die Verteilung der Wertschöpfung entlang verschiedener Akteure der Wertschöpfungskette beeinflussen. Aktuelle Projekte thematisieren Transparenz und unfaire Handelspraktiken aufgrund der unausgewogenen Handlungsmacht großer und kleiner Firmen.

Qualität und Nachhaltigkeit

Unter den zahlreichen Aspekten, die die allumfassende Qualität eines Produktes bestimmen, ist die Nachhaltigkeit (verstanden als ökologische Integrität, soziales Wohlbefinden, ökonomische Widerstandsfähigkeit und gute Governance) von besonderer Relevanz. Wir gehen das Thema Nachhaltigkeit aus den Perspektiven unterschiedlicher Akteure der landwirtschaftlichen Lieferkette an.

Agrarwirtschaft in Entwicklungsländern

Zu guter Letzt erforschen wir die Wohlfahrt von Landwirten in Entwicklungsländern und deren Einbindung in Märkte und Organisationen. Im Moment arbeiten wir an zwei Projekten in Kenia und Kamerun. In Kenia untersuchen wir den Effekt der Einbindung von Landwirten in partizipatorische Entwicklungsprogramme auf den Zugang zu Krediten. In Kamerun forschen wir über die Wahrnehmung von Hochwasserrisiken durch die Landwirte und daraus resultierende Bewältigungsstrategien.

Wissenschaftliche Laufbahn und Forschungsgebiet von Prof. Menapace

Prof. Menapaces Forschung konzentriert sich auf die Struktur, die Arbeitsweise und die Rolle von Märkten und Organisationen in der Agrarindustrie. Dabei befasst sie sich mit Themen zur Produktdifferenzierung, -qualität und -information, mit Schwerpunkt auf die institutionellen Aspekte der Verbraucher- und Wettbewerbspolitik, der Nachhaltigkeit, des geistigen Eigentums und den Folgen für agrarindustrielle Governance. Ihre Forschung ermittelt Einblicke in experimentelle und auf Verhalten basierende Wirtschaftslehren, um Auswahlverhalten und Entscheidungen von Verbrauchern beim Nahrungseinkauf unter Einfluss von Risiken und Ungewissheit zu begründen.


Prof. Menapace hat einen Laurea Abschluss in Agrarwissenschaften (Universität Padua, Italien), einen Master in Agrarindustrie (katholische Universität Sacred Heart, Italien) und promovierte in der Wirtschaftslehre (Iowa State Universität, USA). Nach der Promotion arbeitete sie als Marie Curie Postdoc am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre an der Universität von Trient, Italien (2010-2012) und als Akademische Rätin an der Universität Bonn (2012-2013). Im August 2013 wurde sie auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für "Governance in International Agribusiness" an der TUM berufen.